Mit ihrer Konzeptänderung zur Realschule sorgt die Oberschule Calberlah dafür, dass ihr Standort wieder Zukunft hat.

Christiane Schacht

Calberlah. Damit ihre Schule wieder eine Zukunft hat, mussten Rektor Thomas Seeliger, Konrektorin Sabine Fasterling und das Kollegium der Oberschule Calberlah umdenken. Das taten sie - mit Erfolg. Mit dem neuen fünften Jahrgang wird die Oberschule zur Realschule. Schritt für Schritt, also Jahrgang für Jahrgang. Die Oberschule läuft aus, die Realschule steigt auf. Und damit hatte die Schule erstmals seit vielen Jahren eine Anzahl von Schüleranmeldungen, die Seeliger und Fasterling strahlen lassen.

Die Realschule Calberlah startete mit einer satten Dreizügigkeit in die Zukunft - und ließ die Oberschule Calberlah mit zuletzt einer sehr wackeligen Zweizügigkeit zurück. Ihr Fazit rund sieben Monate, nachdem die Landesschulbehörde grünes Licht für die Umwandlung gegeben hat: "Es war richtig." Nun könne die Schule in Ruhe in die Zukunft wachsen. Genau das - Ruhe, Sicherheit und Verbindlichkeit - habe über Jahre gefehlt. Aber genau diese Punkte hätten sie sich für die Kollegen und natürlich auch Schüler und Eltern dringend gewünscht, so Fasterling. Doch dieses Gefühl wollte sich trotz allen Engagements und viel guter Öffentlichkeitsarbeit nicht einstellen. Es sei immer, so die Konrektorin, "eine Wackelpartie" gewesen. Also war nach dem gescheiterten Kampf und den vielen Gesprächen mit Eltern die Idee geboren, der Schule ein neues Konzept zu geben. Seeliger: "Nach unserem Wissen sind wir die einzige umgewandelte Oberschule in Niedersachsen."

Den Schritt bezeichnen beide als mutig und arbeitsreich, aber als gelungen. Das Kollegium habe in nur wenigen Monaten ein völlig neues Konzept aus dem Boden gestampft, der Schulträger die Schule wunderbar unterstützt und die Eltern hätten letztlich mit der Anmeldung ihrer Kinder das Projekt Realschule zum Laufen gebracht. Dabei sei das Oberschulkonzept kein schlechtes gewesen, allerdings offenbar von den Eltern nicht gewollt. Fasterling: "Es gab Vorurteile, dass es an der Oberschule minderwertigere Abschlüsse gibt und dass das Unterrichtsniveau niedriger ist."

Dass die Oberschule, die bis 2011 eine Haupt- und Realschule war, nun langsam eine reine Realschule wird, haben die Eltern honoriert. Und die Schule macht ihren Weg, ist jetzt als eine von nur 17 Schulen in Niedersachsen als MINT-Schule ausgezeichnet worden. Das ist eine Exzellenz-Auszeichnung für Schulen, die in Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik Bestes zu bieten haben.

Seeligers Augen leuchten angesichts der Erinnerung an die Verleihung dieser Auszeichnung, und er ist stolz wie Oskar auf den modernen 3D-Drucker in seiner Schule. Aber auch sonst hat seine Schule eine Menge Vorteile. Seeliger: "Es ist eine wohnortnahe Schule." Und Fasterling ergänzt, dass sie nicht unüberschaubar groß sei, sondern individuell auf den Schüler achten und einen Blick auf ihn haben könne. Das neue Konzept sei toll, das Kollegium wunderbar und motiviert. Seeliger macht der Blick in die Zukunft nicht mehr bange: "Wir haben den Sprung gewagt, das entwickelt sich hier richtig gut."

aus Gifhorner Rundschau vom 23. Oktober 2018