Calberlah. Erfurt, Emsdetten, Winnenden: Vor einem Amoklauf ist keine Schule sicher – die mögliche Gefahr kann lediglich minimiert werden. Die Calberlaher Oberschule hat deshalb nun ein Sicherheitskonzept erarbeitet, damit sich die Einsatzkräfte im Ernstfall blitzschnell zurechtfinden. Bei einem Amoklauf können Bruchteile von Sekunden über Leben und Tod vieler Menschen entscheiden: „Und gerade weil unsere Schule so verwinkelt ist, hätte es die Polizei besonders schwer", stellt Konrektor Thomas Seeliger fest.

Deshalb sollen nun alle Korridore mit einer eigenen Farbe versehen werden, sämtliche Räume werden logisch nachvollziehbar neu durchnummeriert. „Und auch von außen werden die Unterrichtsräume deutlich sichtbar an den Fenstern gekennzeichnet", erklärt Seeliger.

Und wenn die Handwerker schon mal in der Schule sind, verbindet die Kommune das gleich mit ein paar Reparaturen und kleineren Sanierungen: 25.000 Euro sind dafür im Haushalt der Samtgemeinde vorgesehen. In den Osterferien soll es losgehen.

Die Schüler erhalten schon jetzt klare Anweisungen, was sie im schlimmsten Fall zu tun hätten. Doch was unternimmt die Schule, damit es gar nicht erst zu einem Amoklauf kommt? „Gewaltprävention zieht sich im Unterricht durch alle Fächer", erläutert Seeliger (kl.Foto) . „Zudem planen wir weitere Projekttage."

Und um Schüler mit auffälligen Problemen werde sich von Jugendpflege und Schulsozialarbeit sofort gekümmert.

Hilfe von Psychologen

Calberlah. Das Sicherheitskonzept steht: Jetzt fehlt der Calberlaher Oberschule nur noch ein Krisenkonzept, um für den Umgang mit extremen Situationen gerüstet zu sein – nicht nur nach einem Amoklauf.

Den Eltern eines Schülers stößt etwas Schlimmes zu, ein Lehrer verstirbt unerwartet oder Mitschüler kommen bei einem Amoklauf ums Leben: „Nur wenn einem Kind da sofort psychologisch geholfen wird, kann eine posttraumatische Belastungsstörung verhindert oder zumindest minimiert werden", weiß Rektorin Monika Niemann (kl. Bild) . „Die Psyche von Kindern ist nämlich noch nicht komplett entwickelt." Einschneidende Erlebnisse könnten da verheerende Folgen haben.

„Wenn wir erst nach einem Unglück reagieren, kann es schon zu spät sein", befürchtet Niemann. Bis zu den Sommerferien will die Schule deshalb ein eigenes Krisenkonzept entwickeln, um nicht ausschließlich auf den Einsatz von Psychologen durch die Landesschulbehörde angewiesen zu sein.

Konzept ist übertragbar

Isenbüttel. Der Anti-Amok-Plan der Calberlaher Oberschule ist das Pilotprojekt: „Wenn dort alle Vorhaben umgesetzt sind, werden sich davon auch unsere vier Grundschulen ein Bild machen", so Renate Schween (kl. Bild), Fachbereichsleiterin für Schulen im Rathaus der Samtgemeinde Isenbüttel.

Der Erlass des Kultusministeriums verpflichte zwar lediglich die weiterführenden Schulen zur Erarbeitung eines Sicherheitskonzepts, die vier Grundschulen in Isenbüttel, Calberlah, Wasbüttel und Ribbesbüttel wollen sich vor der ihnen freigestellten Aufgabe jedoch nicht verschließen. „Gespräche mit der Polizei gab es schon", bestätigt Schween. „Aber ob wir an den zum Teil recht kleinen Grundschulen überhaupt eine Kennzeichnung der Flure und Räume brauchen, muss erst noch geklärt werden."

Das Sicherheitskonzept der Oberschule sei übertragbar, sagt Rolf-Otto Fabian, Fachbereichsleiter für Bau. „Aber ob die Grundschulen das wollen, müssen sie selbst entscheiden", fügt Kollegin Schween hinzu.

aus: Aller-Zeitung vom 20.12.2011